Die Wahl der weiterführenden Schule ist für viele Familien ein sensibles Thema und es stellen sich Fragen wie: „Welche Schule passt?“, Reicht es fürs Gymnasium?“, „Was, wenn die Noten nicht stimmen?“.
Viele Eltern und Kinder scheinen das Gefühl zu haben, dass mit diesem Meilenstein ihres Kindes, seine komplette Zukunft entschieden wird.
Doch stimmt das wirklich? Muss es immer das Gymnasium sein? Oder ist dies vor allem ein gesellschaftlicher Druck, welcher Eltern und Kindern aufgeladen wird?
In diesem Beitrag möchte ich Sie als Eltern dazu einladen und ermutigen, die Schullaufbahn ihres Kindes mehr als einen individuellen Weg zu sehen und weniger als einen Wettkampf um die Schulform.
Leistungsdruck beginnt früher als wir denken
Der Leistungsdruck beginnt oftmals früher, als uns bewusst ist und auch ganz ohne, dass es im Elternhaus thematisiert wird. Bereits in der ersten Klasse machen sich viele Kinder Gedanken darüber, ob sie „gut genug“ sind, obwohl es noch gar keine Noten gibt. Sie vergleichen sich mit ihren Mitschülern und können dabei das Gefühl bekommen, schlechter dazustehen und nichts zu können.
Spätestens ab der dritten Klasse , wenn die ersten Noten eingeführt werden, steigt dieser Druck meist sprunghaft an. Sowohl bei den Kindern, als auch oft im Elternhaus. Sie als Eltern sehen nun Zahlen auf den Blättern, die Sie, ob bewusst oder unbewusst, als Maßstab für den Erfolg Ihres Kindes wahrnehmen.
Daher ist es wichtig sich bewusst zu machen, dass es sich zunächst einmal nur um eine Momentaufnahme handelt.
Wie Eltern gut unterstützen können
- Hausaufgaben als Lernprozess sehen: Wenn Ihr Kind an einem Tag mehr Fehler macht, ist das keine Katastrophe. Es ist eine Chance, gemeinsam etwas zu üben. Statt zu sagen: „Das war schlecht!“, könnte man formulieren: „Schau mal, das üben wir noch und dann klappt es bestimmt besser.“ Damit wird der Fokus von der Bewertung auf den Lernfortschritt gelegt.
- Noten in Relation setzen: Erhält Ihr Kind in einem Test eine „3“ oder „4“, dann ist das erst einmal nur eine Momentaufnahme und kein Weltuntergang. Sie als Eltern können Ihr Kind ermutigen, indem Sie fragen: „Was ist dir bei den Aufgaben schwergefallen?“ oder „Wie fühlst du dich damit?“. So entsteht ein Gespräch, das Ursachen ergründet, statt zusätzlichen Druck aufzubauen.
Verschiedene Kinder - verschiedene Wege
Kinder lernen auf sehr unterschiedliche Art und in ganz unterschiedlichem Tempo. Die einen brauchen den Ansporn und die klare Struktur, die zum Beispiel auf einem Gymnasium herrscht. Andere würden unter genau diesem Druck zerbrechen, obwohl sie vielleicht ein ganz ähnliches Lernniveau haben.
Die Wahl der Schule sollte sich deshalb nicht nur nach den Noten oder einem angestrebten Abschluss richten, sondern nach der Persönlichkeit des Kindes.
Stellen Sie sich daher folgende Fragen:
- Kann mein Kind sich gut selbst organisieren?
- Kommt mein Kind mit Leistungsdruck zurecht oder leidet es darunter?
- Welche Lernumgebung tut meinem Kind gut?
- Ist mein Kind schnell im Verstehen, Mitdenken und Anwenden oder braucht es einen Moment länger?
- Ist mein Kind eher introvertiert oder extrovertiert, was die regelmäßige mündliche Mitarbeit betrifft?
- Ist mein Kind emotional dazu in der Lage, das Gymnasium zu bewältigen?
Diese Fragen sind oft entscheidender als die reine Notenlage.
Mehrere Wege führen zum Ziel
Viele Eltern haben Angst, dass ihr Kind ohne Gymnasium „weniger Chancen“ im Leben hat. Doch das stimmt längst nicht mehr. Das Abitur kann heute auf vielen Wegen erreicht werden. Etwa über die Gemeinschaftsschule oder auch über berufliche Schulen. Der Abschluss ist am Ende gleichwertig, auch wenn der Weg dorthin unterschiedlich ist.
Selbst wenn das Abitur nicht der erste Schritt ist, stehen einem alle Türen offen. Ausbildungen können genauso wertvoll und erfüllend sein und viele Jugendliche finden hier Stärke und Leidenschaft. Zudem gibt es unzählige Möglichkeiten, das Abitur oder Fachabitur später nachzuholen, wenn es zur Lebenssituation und den persönlichen Zielen passt.
Noten als Momentaufnahme
Natürlich sind Noten wichtig, um Lerstände einzuordnen. Aber sie sagen nichts über den gesamten Lebensweg und das Können eines Kindes aus. Eine „5“ in Mathe bedeutet nicht, dass das Kind „schlecht“ ist, sondern dass es gerade an einer anderen Stelle Unterstützung braucht.
Die Aufgabe der Eltern ist es , die Ursache gemeinsam mit dem Kind herauszufinden:
- Liegt es am Thema, welches dem Kind nicht liegt?
- Hatte das Kind einen schlechten Tag?
- Wurde zu wenig geübt?
- Hat das Kind das Thema oder die Aufgabenstellung nicht richtig verstanden?
- ……….
Wenn Kinder spüren, dass ihre Eltern an ihrere Seite stehen und gemeinsam mit ihnen nach Lösungen suchen, entsteht eher Motivation statt Angst und Unsicherheit.
Das Kind im Blick behalten
Die Wahl der weiterführenden Schule ist eine wichtige Entscheidung und ein weiterer Meilenstein im Leben Ihres Kindes. Aber die Wahl entscheidet nicht über das restliche Leben des Kindes. Noten, Abschlüsse und Lebenswege sind veränderbar. Persönlichkeit, Selbstvertrauen und Freude am Lernen sind Faktoren, die entstehen, wachsen, prägen und welche wirklich zählen für ein glückliches und erfolgreiches Leben.
Eltern können viel dazu beitragen, indem sie den Druck herausnehmen, dass Kind nicht in Zahlen messen, sondern sich an den Stärken ihres Kindes orientieren.
Denn am Ende zählt nicht, welche Schulform das Kind besucht hat, sondern dass es seinen Weg selbstbewusst und gestärkt gehen kann.