„Ich will alles richtig machen…“Wenn Eltern unter Druck stehen

Viele Eltern kennen diesen Gedanken: 

„Ich will alles richtig machen!“

 

Ein schöner Anspruch und doch gleichzeitig einer, der schnell zur Belastung werden kann. Denn was bedeutet eigentlich „richtig“? Und wer entscheidet das?

 

Zwischen Ratgebern, sozialen Medien, Gesprächen auf dem Spielplatz und eigenen Erwartungen entsteht oft ein Bild davon, wie Elternsein auszusehen hat. Gesunde Ernährung, begrenzte Medienzeit, liebevolle Konsequenz, ausreichend Bewegung, Förderung in der Schule, emotionale Begleitung….all das und vieles mehr sind wichtige Punkte, aber einfach nicht immer und schon gar immer zu 100% zu schaffen.

 

Denn Eltern sind auch nur Menschen.

Wenn der Anspruch zur Belastung wird

Der Wunsch, es gut zu machen, ist nichts Schlechtes. Im Gegenteil: Er zeigt, wie wichtig Ihnen Ihr Kind ist. Problematisch wird es dann, wenn aus diesem Wunsch ein ständiger innerer Druck entsteht.

 

Heute kommt noch dazu, dass in vielen Familien beide Eltern berufstätig sein müssen. Der Alltag ist oft eng getaktet. Zwischen Arbeit, Schule, Terminen und Haushalt bleibt wenig Raum zum Durchatmen.

 

Gleichzeitig sind die Erwartungen an Eltern und insbesondere an Mütter, sehr hoch. Diese Erwatungen kommen nicht unbedingt von der eigenen Familie, sondern vielmehr durch das, was gesellschaftlich vermittelt wird. 

Eine gute Mutter soll liebevoll, geduldig und präsent sein. Sie soll gleichzeitig beruflich erfolgreich sein, den Haushalt im Griff haben, sich um Beziehungen kümmern und dabei möglichst entspannt, zufrieden und sportlich unterwegs sein.

 

Das ist ein Anspruch, der kaum zu erfüllen ist und doch begleitet er viele im Alltag.

Der Blick nach außen und was er mit uns macht

Ein großer Teil dieses Drucks entsteht durch Vergleiche. 

Auf dem Spielplatz, in der Schule oder auch in sozialen Medien entsteht schnell der Eindruck:

„Bei den anderen läuft es irgendwie besser.“

Das Kind isst gesünder, ist ausgeglichener, hat weniger Wutanfälle, macht die Hausaufgaben ohne Diskussionen.

 

Was dabei oft vergessen wird ist, dasss wir immer nur einen Auschnitt aus dem Leben von anderen sehen. Die schwierigen Momente, die Diskussionen am Abend, die Unsicherheiten…all das bleibt meist ungesagt und unsichtbar.

 

Der Vergleich hilft selten weiter. Er verunsichert eher und verstärkt den Druck, alles perfekt machen zu wollen.

Viel hilfreicher ist ein ehrlicher Austausch unter Eltern. Ungeschönt und mit den wahren täglichen Herausforderungen vor denen man steht. Sie werden überrascht sein, wie sehr sich die Themen deckeln.

 

Kinder brauchen keine perfekten Eltern

Vielleicht ist das der wichtigste Gedanke dieses Textes:

 

Kinder brauchen keine perfekten Eltern!

 

Sie brauchen Eltern, die:

  • verlässlich sind
  • sich kümmern
  • da sind, wenn es schwierig wird
  • und auch mal Fehler machen dürfen

Denn genau daran lernen Kinder etwas Entscheidendes. Das Fehler zum Leben dazugehören. Das man sich entschuldigen kann. Das Beziehungen auch dann bestehen bleiben, wenn nicht alles reibungslos läuft.

 

Gut genug ist wirklich gut genug

Der Begriff „gut genug“ klingt im ersten Moment vielleicht wenig erstrebenswert. Doch in der Elternrolle ist er unglaublich wertvoll.

 

Es geht nicht darum, alles perfekt zu machen, sondern darum, im Großen und Ganzen präsent und zugewandt zu sein.

 

Ein Tag mit wenig Geduld macht Sie nicht zu schlechten Eltern.

Ein Abend mit viel Fernsehen entscheidet nicht über die Entwicklung Ihres Kindes.

Eine Situation, die nicht ideal gelaufen ist, kann am nächsten Tag wieder anders aussehen.

 

Kinder wachsen nicht an Perfektion, sondern an Beziehung.

Kleine Schritte statt großer Ansprüche

Statt sich an einem idealen Bild zu messen, kann es helfen, den Blick zu verändern:

  • Was ist heute gut gelaufen?
  • Wo habe ich mein Kind unterstützt?
  • Wo habe ich mir selbst vielleicht etwas zu viel zugemutet?

Oft sind es die kleinen Dinge die zählen: 

ein gemeinsames Lachen, ein Gespräch, eine feste Umarmung und einfach nur Da-Sein.

Sich selbst nicht vergessen

Eltern stehen oft unter dem Anspruch, alles für ihr Kind zu geben. Dabei gerät eines schnell in den Hintergrund: sie selbst.

Doch nur wer auch auf sich achtet, kann dauerhaft für andere da sein. Das bedeutet nicht, dass immer alles entspannt ist. Es bedeute sich selbst zu erlauben: Pausen zu machen, Grenzen zu haben und nicht alles leisten zu müssen bzw leisten zu können.

Zum mitnehmen

„Ich will alles richtig machen“ ist ein verständlicher Gedanke, aber kein realistischer Maßstab.

Vielleicht hilft ein kleiner Perspektivwechsel, nicht alles richtig machen zu wollen, sondern gut genug für sein eigenes Kind da zu sein.

Denn genau das ist es, was Kinder wirklich brauchen.

Fragen Sie sich heute einmal nicht, was Sie besser machen müssten, sondern was Sie bereits gut machen. Oft liegt die Antwort näher, als man denkt.