Medien Teil 2: Konsum und das richtige Maß halten in der digitalen Welt

Medien gehören sowohl bei uns, als auch bei unseren Kindern zum Alltag dazu. Ob Serien auf dem Tablet, Spiele auf der Konsole oder Videos auf YouTube. Unterhaltung ist nur einen Klick entfernt. Gleichzeitig beobachten viele Eltern, dass ihre Kinder sich schwer tun, aufzuhören „Nur noch eine Folge!“, „Ich will das Level zu Ende spielen!“ und plötzlich sind Stunden vergangen. Vielleicht kennt der ein oder andere Erwachsene dieses Verhalten von Binge-Watching ja auch von sich selbst.

Das Thema Medienkonsum ist deshalb ein Dauerthema in vielen Familien. Dieser Beitrag soll helfen, ein gesundes Maß zu finden. Wie viel Medienzeit ist altersgerecht? Welche Inhalte passen wirklich? Welche Rolle spielt unser eigenes Verhalten als Eltern?

Medienkonsum ist mehr als nur Bildschirmzeit

Wenn wir über Medienkonsum sprechen, denken viele zunächst an die Dauer:“Wie viele Minuten oder Stunden darf mein Kind schauen oder spielen?“ Doch mindestens genauso wichtig sind die Inhalte und die Begleitung.

 

Ein Beispiel: Eine halbe Stunde gemeinsam ein Bastel-Video schauen und danach kreativ etwas nachmachen, wirkt ganz anders, als eine halbe Stunde allein durch Reels zu scrollen.Es ist also nicht ausschließlich die Menge, sondern auch die Qualität entscheident.

Altersgerechte Empfehlungen zur Bildschirmzeit

Orientierung geben unter anderem  die Empfehlungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Dies sind keine starren Gesetze, sondern Richtwerte:

  • 0 – 3 Jahre:möglichst keine Bildschirmzeit, außer mal gemeinsam Fotos anschauen oder ein kurzes Kinderlied
  • 3 – 6 Jahre: höchstens 30 Minuten pro Tag, immer begleitet und altersgerecht
  • 6 – 10 Jahre: 45-60 Minuten pro Tag, mit klaren Regeln und festen Zeiten
  • 10 – 13 Jahre: etwa 90 Minuten pro Tag, zunehmend selbstständiger, aber mit Absprachen
  • ab 14 Jahren: eigenverantwortlicher Umgang, aber weiterhin Begleitung und Gespräche

Wichtiger als die Stoppuhren ist ein fester Medienrahmen. Dieser wäre z.B. eine halbe Stunde nach den Hausaufgaben oder ein Familienfilmabend am Wochenende. So wird Mediennutzung planbar und sorgt für weniger Streit.

Kindgerechte Inhalte und worauf Eltern achten sollten

Nicht alles, was technisch verfügbar ist, ist auch wirklich geeignet. Schon bei Filmen und Serien gilt: FSK ist keine pädagogische Empfehlung. Ein FSK6-Film kann für ein sensibles 6-jähriges Kind zu spannend oder zu gruselig sein.

Tipps für die Auswahl:

  • Nutzen Sie kindgerechte Streaming-Angebote wie z.B. KIKA, ZDFtivi, Disney+ Kids-Profil)
  • Achten Sie bei Spielen neben der USK-Angabe auf die Spielinhalte wie z.B. Gewalt, Chatfunktionen und In-App-Käufe.
  • Prüfen Sie Apps und Kanäle vorab. Die Seite www.schau-hin.info bietet gute Bewertungen und Tipps
  • Skeptsicher Blick auf kostenlose Spiele. Oft verstecken sich Kaufreize oder Werbung dahinter

Wichtig ist außerdem, dass Altersfreigaben nicht nur für das eigene Spielen gelten. Auch das bloße Zuschauen, etwa bei älteren Geschwistern oder Eltern, die Spiele mit höherer Freigabe z.B. Shooter spielen, kann Kinder überfordern und verunsichern.

Eltern sind Vorbild im Umgang mit Medien

Kinder lernen nicht nur durch Regeln, sondern vor allem durch Vorbilder. Wenn wir selbst beim Essen ständig das Handy neben dem Teller liegen haben, ist es schwer zu erklären, warum das für Kinder nicht erlaubt sein soll.

Reflektieren Sie sich einmal selbst und führen für ein paar Tage vielleicht sogar einmal ganz bewusst eine Liste mit Ihrer eigenen Mediennutzung.

  • Wie oft nutzen Sie Medien nebenbei?
  • Wird das Handy bewusst weggetan, wenn Sie sich mit ihren Kindern beschäftigen?
  • Gibt es Medienfreie Zeiten oder Zonen?
  • Wie hoch ist die eigene Bildschirmzeit?
  • Wie viel Zeit verbringen Sie täglich insgesamt mit: Handy, Konsole, Fernsehen
  • Wozu nutzen Sie insbesondere das Handy (z.B. Arbeit, Nachrichten, Social Media….)

Es lohnt sich, als Familie gemeinsame Medienrituale einzuführen. Diese sollten indivduell für die eigene Familie passen, gelten dann aber für alle im Haushalt lebenden Mitglieder.

Solche Rituale können z.B. sein: ab 18h sind alle Geräte im Ladefach, Handys haben beim Essen nichts zu suchen, der Ferseher wird beim Essen abgeschaltet, in den Schlafzimmern sind Handys verboten…..und was Ihnen noch als Familie einfällt bzw wichtig ist.

Vor- und Nachteile von Medienkonsum

Vorteile:

  • Unterhaltung und Spaß
  • Lernmöglichkeiten (z.B. Lern-Apps, Dokus, Erklärvideos)
  • Soziale Kontakte über Chats und Spiele
  • Entspannung und Abschalten

Nachteile:

  • Weniger Bewegung und frische Luft
  • Reizüberflutung, Schlafprobleme
  • Ablenkung von Schule und Hausaufgaben
  • Gefahr von Suchtverhalten
  • Konfliktpotenzial in der Familie

Das Ziel ist nicht, Medien komplett zu vermeiden, sondern eine gesunde Balance zu finden.

Auswirkungen auf Konzentration und Aufmerksamkeit

In den letzten Jahren haben sich immer mehr Studien mit dem Thema Medienkonsum und kindliche Entwicklung beschäftigt. Dabei zeigt sich ein klarer Zusammenhang. Ein sehr früher und intensiver Medienkonsum kann sich negativ auf die Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit von Kindern auswirken.

 

Gerade schnell wechselnde Inhalte, wie kurze Videos, schnelle Schnitte oder ständig neue Reize, fordern das Gehirn auf eine ganz andere Weise als z.B. ein Buch oder ein Spiel in der realen Welt. Kinder gewöhnen sich daran, dass ständig etwas „passiert“ und halten diesen Zustand für normal.

 

Im Alltag kann dies dazu führen, dass es Ihnen schwer fällt, sich auf ruhigere Aufgaben zu konzentrieren. Etwa beim Lesen, Schreiben oder bei den Hausaufgaben. Sie brauchen mehr Reize um „dranzubleiben“ und verlieren schneller die Aufmerksamkeit.

 

Das bedeutet nicht, dass Medien grundsätzlich schlecht sind. Aber es zeigt, wie wichtig ein bewusster und altersgerechter Umgang ist. Besonders jüngere Kinder profitieren davon, wenn sie viele echte Erfahrungen machen dürfen: spielen, sich bewegen, ausprobieren, scheitern und neu anfangen. Diese Erfahrungen sind die Grundlage für eine gesunde Aufmerksamkeitsentwicklung.

 

 

Eltern sind in der Verantwortung zu begleiten

Im Familienalltag ist es völlig normal, dass Medien auch mal als „Pause“ genutzt werden. Das Kind schaut etwas oder spielt und Eltern haben einen Moment Luft. Das ist verständlich und gehört zum Alltag dazu.

Problematisch wird es dann, wenn Kinder regelmäßig und ohne Begleitung vor dem Bildschirm sitzen und Inhalte konsumieren, welche weder eingeordnet noch nachbesprochen werden. Denn Kinder können viele Dinge, die sie sehen oder erleben, noch gar nicht richtig verstehen oder bewerten.

Ein Film, ein Spiel oder ein Video wirkt oft nach. Manchmal, ohne das es direkt auffällt. Bilder bleiben im Kopf, Gefühle werden ausgelöst, Fragen entstehen. Wenn niemand da ist, um das gemeinsam einzuordnen, bleiben Kinder damit alleine.

Deshalb ist die Rolle der Eltern nicht die eines „Kontrolleurs“, sondern die eines Begleiters.

  • Interesse zeigen: Was schaut und spielt mein Kind eigentlich?
  • Mit dabei sein: Ab und zu gemeinsam schauen oder spielen
  • Gespräche führen: „Wie fandest du das?“ oder „Gab es etwas das dich beschäftigt hat?“
  • Grenzen setzen: Nicht alles was möglich ist, ist auch sinnvoll

Kinder brauchen keine lückenlose Kontrolle, aber sie brauchen Erwachsene, die sich für ihre Medienwelt interessieren und ihnen helfen, dies zu verstehen.

Praktische Tipps für den Alltag

  • Medienfreie Zeiten festlegen: z.B. beim Essen, morgens vor der Schule, abends vor dem Schlafengehen
  • Offline-Alternativen: Gesellschaftspiele, Vorlesen, Bewegung, Lego bauen, Puzzlen. Damit Medien nicht die einzige Beschäftigung sind
  • Medienpass: Kinder können ihre Medienzeit selbst verwalten und lernen dadurch Verantwortung. Sie können z.B. einen Tag die doppelte Medienzeit nehmen, haben dafür am nächsten Tag keine
  • Gemeinsame Medienzeit: Einen gemeinsamen Filmabend genießen
  • Technische Hilfsmittel nutzen: Viele Geräte bieten Jugendschutzeinstellungen, Nutzungsberichte und Zeitlimits

Hilfreiche Links für Eltern

  • www.schau-hin.info –> Tipps und Bewertungen zu Apps, Spielen, Filmen
  • www.klicksafe.de –> Infos zur sicheren Mediennutzung für Eltern und Kinder
  • www.flimmo.de –> pädagogische Einschätzung von TV- und Streaming-Inhalten
  • www.spieleratgeber-nrw.de –> Bewertungen von Computerspielen aus Eltern- und Kindersicht

Medien gehören zum Alltag, aber der Umgang damit will gelernt sein. Kinder brauchen dabei nicht in erster Linie Verbote oder Kontrolle, sondern Erwachsene die hinschauen, begleiten und Orientierung geben.

 

Es wird im Familienalltag nicht immer gelingen, alles „richtig“ zu machen. Manchmal läuft der Fernseher länger als geplant oder das Handy wird zur schnellen Lösung. Entscheident ist nicht der einzelne Moment, sondern der grundsätzliche Umgang damit.

 

Wenn Eltern interessiert bleiben, mit ihren Kindern im Gespräch sind und bereit, sich auch mit der Medienwelt der Kinder auseinander zu setzen, schaffen sie eine wichtige Grundlage.

 

Kinder lernen, bewusst mit Medien umzugehen und nicht einfach nur zu konsumieren. Sie brauchen keine medienfreie Kindheit, sondern eine medienkompetente Kindheit.