Wenn wir an Sport denken, kommen sofort die Gedanken an: Fußballtraining, Turnverein, Schwimmunterricht oder Wettkämpfe am Wochenende in den Kopf.
Doch Bewegung bedeutet viel mehr als organisierter Sport. Rennen, Klettern, Hüpfen, Balancieren, Toben, Fahrradfahren oder Fangen spielen. All das ist Bewegung und genau diese ist für Kinder ein wichtiger Baustein ihrer Entwicklung.
In einer Zeit, in der viele Freizeitaktivitäten im Sitzen stattfinden und digitale Medien immer präsenter werden, lohnt sich ein Blick auf die Frage: Warum ist Bewegung eigentlich so wichtig?
Bewegung ist Nahrung für das Gehirn
Wenn Kinder sich bewegen, trainieren sie nicht nur ihre Muskeln. Bewegung fördert auch die Entwicklung des Gehirns.
Studien zeigen immer wieder, dass körperliche Aktivität positive Auswirkungen auf Konzentration, Aufmerksamkeit und Lernfähigkeit haben kann. Kinder, die sich regelmäßig bewegen, können häufiger leichter lernen, sich besser konzentrieren und sind ausgeglichener.
Gerade nach einem langen Schultag fällt auf, dass viele Kinder unruhig, gereizt oder erschöpft wirken. Oft brauchen sie dann nicht noch mehr Sitzen, sondern die Möglichkeit, sich zu bewegen, Energie abzubauen und ihren Körper zu spüren.
Kinder müssen sich bewegen dürfen
Kinder lernen über ihren Körper.
Sie lernen Entfernungen einzuschätzen, Risiken zu bewerten, das Gleichgewicht zu halten und ihre Kräfte einzuteilen. Sie lernen durch Klettern, Rennen, Springen und Ausprobieren.
Dabei gehören kleine Schrammen, dreckige Hosen oder das Scheitern an einer schwierigen Bewegung ganz selbstverständlich dazu.
Wir möchten die Kinder am liebsten vor allen Gefahren beschützen. Doch Entwicklung entsteht nicht nur durch Sicherheit, sondern auch durch Ausprobieren und Erfahrungen sammeln.
Ein Kind, dass nie auf einen Baum klettern darf, wird nicht lernen, wie weit nach oben es dies schafft und was es sich selbst zutrauen kann.
Bewegung stärkt die psychische Gesundheit
Bewegung beeinflusst nicht nur den Körper, sondern auch die mentale Gesundheit.
Viele Kinder erleben im Alltag Stress. Schule, Termine, Verabredungen, Erwartungen und soziale Herausforderungen fordern sie bereits in jungen Jahren.
Bewegung hilft dabei, die Spannungen abzubauen. Sie kann das Wohlbefinden steigern, die Stimmung verbessern und dabei helfen, Stress zu verarbeiten.
Besonders Kinder, die sehr impulsiv, unruhig oder emotional belastet sind, profitieren häufig von regelmäßigen Bewegungsmöglichkeiten.
Dabei geht es nicht darum, Probleme „wegzutrainieren“. Bewegung kann aber ein wichtiger Baustein sein, damit Kinder sich ausgeglichener fühlen.
Sport ist nicht gleich Sport
Nicht jedes Kind möchte Fußball spielen.
Nicht jedes Kind liebt Wettkämpfe.
Nicht jedes Kind fühlt sich im Mannschaftssport oder Vereinen wohl.
Manche Kinder gehen im Turnen auf, andere beim Tanzen, Schwimmen, Reiten, Klettern, Fahrradfahren oder einfach nur beim Toben auf dem Spielplatz. Wieder andere genießen lange Spaziergänge in der Natur oder das Spielen im Garten.
Deshalb lohnt es sich, genau hinzuschauen, welche Form von Bewegung macht meinem Kind eigentlich Freude.
Denn Bewegung, die Spaß macht, wird langfristig Teil des Alltags. Bewegung, die nur Druck erzeugt, wird oft schnell wieder aufgegeben.
Mehr Bewegung im Alltag
Nicht jede Familie hat die Zeit oder das Geld, für Sportvereine und mehrere Trainingseinheiten pro Woche. Das muss auch nicht sein. Oft entstehen die wertvollsten Bewegungsmomente im Alltag:
- den Schulweg zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren
- auf den Spielplatz gehen
- gemeinsam spazieren
- Ball spielen
- im Wald unterwegs sein
- kleine Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen
Man braucht weder viel Ausrüstung noch ein großes Budget, um Bewegung in den Alltag zu integrieren. Es reicht, sich die Zeit dafür zu nehmen.
Wenn Bewegung fehlt
Insgesamt lässt sich beobachten, dass Kinder sich insgesamt weniger bewegen. Wenn man fragt, was sie gemacht haben, bekommt man sehr oft „zocken“ als Antwort.
Die Folgen zeigen sich oft nicht sofort, aber langfristig. Manche Kinder werden schneller müde, haben Schwierigkeiten mit ihrer Körperkoordination oder verfügen über weniger Ausdauer und Körperspannung.
Auch Übergewicht bei Kindern nimmt zu. Dabei geht es nicht um Schönheitsideale oder Kleidergrößen. Vielmehr geht es um die Gesundheit. Es kann auch im Kindesalter die Gelenke, das Herz-Kreislauf-System und den Stoffwechsel belasten. Hinzu kommen häufig psychische Belastungen durch Ausgrenzungen oder ein geringes Selbstwertgefühl.
Bewegung alleine löst diese Probleme nicht, wenn sie bereits vorhanden sind. Sie ist aber ein wichtiger Bestandteil um vorzubeugen und für einen gesunden Lebensstils.
Vorbild sein
Kinder lernen über das Vorbild und orientieren sich an ihrem Umfeld.
Wenn Eltern selbst Freude an Bewegung zeigen, Spaziergänge machen, Fahrrad fahren oder aktiv ihren Alltag gestalten, übernehmen Kinder vieles davon ganz selbstverständlich.
Dabei muss niemand Leistungssportler sein. Kinder profitieren viel mehr von Erwachsenen die zeigen, dass Bewegung zum Leben gehört und Spaß machen kann.
Kinder brauchen Bewegung nicht, um sportlich Höchstleistungen zu erreichen. Sie brauchen Bewegung, um ihren Körper kennenzulernen, Selbstvertrauen aufzubauen, Stress abzubauen und gesund aufzuwachsen.
Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Termine oder Sportangebote wahrzunehmen. Oft reichen schon kleine Veränderungen im Alltag.
Denn für Kinder ist Bewegung keine zusätzliche Aufgabe, sie ist ein Grundbedürfnis.